5. Tag: Schwefel & gelbe Steine

Auf dem Highway 14, den Theodore Roosevelt (der Mann, der dem Teddy seinen Namen gab), als die schönste Straße Amerikas bezeichnet hat, geht es Richtung Yellowstone.
Der älteste Nationalpark der Welt verdankt seinen Namen dem durch die Schwefelausdünstungen der zahllosen Geysire und Heißwasserquellen gelblich verfärbten Felsen im Grand Canyon of the Yellowstone.
In Yellowstone gibt es mehr Geysire als irgendwo sonst auf der Welt. Island und Neuseeland eingeschlossen. Bevor es aber an die Erkundung des Parks geht heißt es warten. Das 20jährige Straßenbauprojekt ist noch im Gang, nähert sich aber seinem Ende. Derzeit ist die Straße am Osteingang, über die wir in den Park kommen, Baustelle und daher nur einspurig befahrbar. Die „Ampel” ist typisch amerikanisch und mit dem Pilot Car, das der geduldig wartenden Schlange schließlich vorneweg fährt, kommt etwas Formel-1-Feeling auf.

Den ersten Fotostop legen wir am Lake Yellowstone, dem großen, an eine Hand mit drei Fingern erinnernden See in der Mitte des Parks, ein.
Eine kleine Dampffontäne gibt schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Sowohl optisch als auch vom Geruch her.

Weiter geht es zu den ersten Mud Volcanos und zum Drachenmaul, aus dem mit entsprechender Geräuschuntermalung heftigst Rauch dringt.

Im Parkt gibt es zahlreiche Wasserfälle, so unter anderem die Fälle im Grand Canyon des Yellowstone, die Lower Falls sind mit 94 Metern Fallhöhe gleichzeitig die höchsten des Parks. Hier am Artist Point tritt die gebliche Verfärbung des Gesteins besonders hervor. Nach dem Mittagsstop gibt es noch Nachtisch in Form von Eiscreme bei den Tower Falls, natürlich typisch amerikanisch, beispielsweise in schreienden Farben oder mit Peanut Butter. Um dann die sinnlos angefressenen Kalorien gleich wieder loszuwerden geht es in Mammoth Hot Springs zu Fuß weiter. Über die im ganzen Park präsenten Holzstege durchwandert man eine bizarre Landschaft mit heißen Quellen, die auf den Plateaus in allen, teilweise unnatürlich wirkenden, Farben schimmernde Seen bilden oder über terrasierte Felsen langsam talwärts fließen. Yellowstone, vulkanischen Urpsrungs, wied immer wieder von Erdbeben erschüttert. Die stärkeren tektonischen Bewegungen sorgen, wie in den 50er und zuletzt in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, auch immer wieder für Veränderungen bei den unterirdischen Wasserströmungen, welche die Naturwunder des Nationalparks speisen und so ist Mammoth Hot Springs heute in weiten Teilen trocken, nachdem das letzte Beben 1986 für zahlreiche Änderungen in den Wasserläufen gesorgt hat. Heute zeugen nur noch vertrocknete Terrassen davon, wo sich früher das Wasser seinen Weg ins Tal bahnte.

Auf dem Weg durch den Park begegnet man immer wieder den eigentlichen Bewohnern und während Bisons, Wapitis und Dickhornschafe immer wieder an den Busfenstern auftauchen und beliebte Fotomotive bieten, sind Elche und Bären Mangelware, wodurch sich „Animal Spotting” im Bus zum Volkssport entwickelt.

Immer wieder fährt man auch an Gebieten vorbei, die noch immer vom großen Feuer 1988, welches fast drei Monate wütete, zeugen. In den Nationalparks wird es aber der Natur überlassen, sich selbst zu regenerieren. Und auch das Feuer selbst hat man mittlerweile als Chance zur natürlichen Erneuerung des Waldes erkannt und versucht es nicht mehr, mit allen Mitteln zu bekämpfen. Und vor allem in den niedriger gelegenen Gebieten hat Natur bereits wieder Besitz vom Land ergriffen. Zwischen dem dichten, mannshohen Waldbestand stehen nur noch einige wenige vom Feuer gezeichnete Baumstümpfe.

West Yellowstone, unser heutiges, in Montana gelegenes Tagesziel, verdankt wie so viele Städte im Westen seiner Entstehung der Eisenbahn, die dort ihre Zelte aufschlug, um Besucher möglichst nahe an den Park heranzubringen. Mit dem Niedergang der Personenbeförderung bei den US-amerikanischen Eisenbahngesellschaften waren auch die Tage von West Yellowstone als Endstation gezählt, der Bahnhof, heute ein Museum, der zum Speiselokal avancierte Lokschuppen und die kleine Lagerhalle, heute das Domizil der West Yellowstone Police, zeugen zusammen mit einem Stück Gleis, das nach Nirgendwo führt, von den alten Zeiten.

One Response to “5. Tag: Schwefel & gelbe Steine”

  1. Blogpotato » Archiv » Urlaub! [3x upd] Says:

    [...] [update-161006] Zwei auf einen Streich: Tag vier: Go West! und Tag fünf: Schwefel & gelbe Steine [...]

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