3. Tag: Tote Präsidenten
Früh geht es los in Cheyenne, von den vielen Cowboys und Cowgirls, die am Vorabend im Hotel noch die Eröffnung der „Frontier Days” gefeiert haben, ist nichts mehr zu sehen.
Dafür gibt es umsonst Frühstück. Nicht für alle, man ist etwas verplant im Hotel, aber unter anderem für uns.
Die Tatsache, das es sich um ein Continental Breakfeast handelt und es daher weder Toast noch Ei oder Speck gibt, führt gleich wieder zu lautstarken Unmutsäußerungen bei einigen Mitreisenden. Unmöglich, diese Deutschen!. Sollen sie doch für $10 im Nachbarzimmer American Breakfeast essen, wenn ihnen die kostenlose Variante nicht passt. Aber der Geiz siegt dann doch.
Das erste Tagesziel ist Fort Laramie, dem Dreh und Angelpunkt für die Besiedlung des Westens mit sehr wechselvoller, teils friedlicher, teils kriegerischer Geschichte.
Nachdem zum Ende der militärischen Funktion zahlreiche Gebäude abgetragen wurden, weil man das Baumaterial in der sehr baumlosen Prärie dringend anderweitig gebrauchen konnte, sind heute zahlreiche Gebäude nach Originalplänen wieder aufgebaut. Die Überreste der Original erhaltenen Gebäude werden ebenfalls in Schuß gehalten und vielerorts sind sehr aufwendig die Zimmer restauriert und eingerichtet, um dem Besucher einen Eindruck vom Leben auf Fort Laramie zu vermitteln. Darüber hinaus hat die Erhaltung des Forts natürlich auch geschichtliche Gründe, um zum einen die Bedeutung von Fort Laramie für die Ausdehnung gen Westen auch für nachfolgende Generationen zu erhalten, zum anderen aber auch, um als Mahnmal in Bezug auf die Fehler der Vergangenheit gerade im Umgang mit den Indianern zu dienen. Von daher ist George W. Bush vielleicht gar nicht so schlecht für Amerika. Man sollte ihn ausstopfen und ebenfalls als schlechtes Beispiel der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Der Südwesten Wyomings ist ein Traum! Wenn ich Viehzüchter wäre. Die leicht hügelige, bis zum Horizont reichende Prärie, auf der gedankenverloren Rinder weiden, wird nur vom hellgrauen, schnurgeraden Betonband der Interstate durchbrochen.
Dsa Landschaftsbild ändert sich schlagartif, sobald man die Staatsgrenze nach South Dakota überschritten hat. Die Gegend wird wieder bergiger und der Baumbestand üppiger. Die zahlreichen Pinien sind sicherlich nicht ganz unschuldig daraN, dass diese Berge heißen, wie sie heißen: „Black Hills”.
Kurz vor Mount Rushmore gilt es noch einen Stop einzulegen am zweiten großen Kunstwerk der Gegend: Dem ebenfalls in Stein gemeißelten Abbild des Indianerhäuptlings „Crazy Horse“. Dessen endgültige Fertigstellung werde ich aber nicht mehr erleben. Vom riesigen geplanten Monument existiert derzeit nur der Kopf, quasi das „Crazy”, während am „Horse” noch gearbeitet wird. Bis das Pferd aus dem Stein gemeißelt und gesprengt ist werden noch mehrere Jahrzehnte vergehen.
Fertig, und zwar seit mehr als 50 Jahren, sind die Präsidentenköpfe, wobei bei einer „Bauzeit” von 17 Jahren der Gesamtpreis von etwas unter einer Million Dollar aus heutiger Sicht geradezu lächerlich erscheint.
Klar, Geld hatte einen anderen Wert Mitte des letzten Jahrhunderts, aber für den Betrag würde man heute wahrscheinlich nicht mal mehr das Gerüst bekommen.
Eigentlich sollte man ja meinen, an Mount Rushmore hätten sie jeden Tag genug tote Präsidenten zum Anschauen. Aber bevor man Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln aus der Nähe sehen kann, muss man auf den Parkplatz. Was sich als gar nicht so einfach erweist, denn aus dem Wärterhäuschen kommt, nachdem Bryan die Kreditkarte reicht, nur lapidar: „We don’t do plastic”. In der Tat ungewöhnlich, aber auch das läßt sich meistern und man begleicht die Parkgebühr eben mit toten Präsidenten.
„Shrine of Democracy” steht auf einer der Postkarten im Visitor Center und wenn man sich das, was die Amerikaner und vor allem die Regierung Bush uns als „Demokratie” vorleben, anschaut, dann könnte man wirklich den Eindruck gewinnen, man hätte diese (die Demokratie, nicht die Bush-Regierung) wirklich in einen Schrein gesperrt und laßt sie nicht mehr raus. Wie auch immer: Mount Rushmore, das seinen Namen im übrigen einem Anwalt verdankt, ist beeindruckend, auch und gerade mit der Flaggenparade vor dem Berg. Auf sieben Säulen sind in zwei Reihen die Fahnen der US-Bundesstaaten angebracht, vier auf jeder Säule, am Sockel findet sich das Beitrittsdatum zur Union. Wer in der Grundschule etwas aufgepasst hat, merkt schnell, dass sieben Säulen x zwei Reihen x vier Fahnen 56 ergibt und mit der Zahl der US-Bundesstaaten nicht wirklich übereinstimmt. Damit es aufgeht hat man das ganze etwas großzügiger ausgelegt und unter anderem Fahnen von Guam, den Virgin Islands und mit gehisst. Aus mir unerklärlichen Gründen gibt es von den Flaggen keinerlei Postkarten. Und warum man die Fahnen der neuen US-Territorien wie Afghanistan und Irak nicht mit aufgehänght hat erschließt sich mir auch nicht.
Durch die Black Hills geht es dann Richtung Deadwood, einer alten Goldgräberstadt, die mittlerweile, nicht zuletzt dank Glücksspiel,wieder am aufblühen ist. In der Hauptstraße findet man zahlreiche Hotels mit Casinos, Bars und Souvenirläden, das ganze wirkt aber, vielleicht auch weil die nachgestellte Goldgräberkulisse hier nicht so künstlich aufgesetzt wirkt wie in Las Vegas, wesentlich gemütlicher, um nicht zu sagen „cosy”.
In der Stadt, in der auch Kevin Costner, der leider mehr durch seine anderen als durch seine Baseballfilme Berühmtheit erlangte hat, eine Bar besitzt, fährt uns dann auch das Neueste, was die US-amerikanischen Polizeibehörden derzeit in ihren Fuhrpark einstellen können, über die Füße: Ein Dodge Charger. Wuchtig, bullig, mit dezentem Metalliclack und auffälligem Türdesign eine imposante Erscheinung.
Schließlich geht es ins Hotel in die Zwillingsstadt Lead, wo es im dortigen Restaurant Burger gibt, die sich nicht in Worte fassen lassen: Maulsperre garantiert.
Kleines Detail am Rande: Nachdem im Bus Rotationsverfahren herrscht, jeden Tag geht es zwei Reihen weiter, und ich damit jetzt auf der rechten Seite sitze, habe ich heute gesehen, dass Mark mit einem iBook arbeitet. Nett. Muss man bei Gelegenheit evtl. mal vertiefen.

Freitag, 18. August 2006 at 18:06
Ein iBook :-O Und das erfahr ich erst jetzt
Montag, 16. Oktober 2006 at 08:31
[...] [update-170806] Schlag auf Schlag: Tag drei: Tote Präsidenten. [...]