Wir verlassen mit Lead unseren östlichsten Übernachtungsstop auf dieser Reise. Ab jetzt geht es (fast) nur noch nach Westen. Das Tagesziel heißt Cody, die vom Wildwesthelden Buffalo Bill gegründete Stadt im Nordwesten Wyomings.
Wir lassen also die Black Hills hinter uns und begeben uns auf die fast 600 Kilometer lange Reise gen Westen.
Fast wie auf Knopfdruck ändert sich auch die Landschaft wieder, als das „Welcome to Wyoming”-Schild an uns vorbeihuscht, die mittelgebrigsähnliche Landschaft der Black Hills muss der schon bekannten Prärie weichen.
Auf dem Weg zum ersten Stop in Gillette (no, that’s not where my razorblades are from!) sieht man aber auch immer wieder Öhlbohrtürme, sei es in fertigem Zustand oder eben im Bau.
Die Antwort der US-Regierung auf die knapper werdenden Ölreserven und die damit steigenden Energiepreise ist nämlich nicht „Sparen, sparen, sparen”, sondern, den Bau neuer Löförderanlagen zu forcieren – natürlich im eigenen Land, um sich nicht (noch mehr) in die Abhängigkeit anderer Länder zu begeben. Und da an der Küste natürlich niemand die Plattformen vor der Nase haben will, wird Wyoming so langsam zum neuen Texas. Die Bevölkerung scheint aber gedanklich schon etwas weiter und dem Spargedanken zuträglicher zu sein.
Da der Bus erst seine vierte Tour fährt und daher noch etwas durstig ist, machen wir in Gillette zum ersten Mal an einem Truck Stop Halt, auch wenn sich die Truckerin aus North Dakota wundert, das wir an seinem so kleinen Truck Stop fotografieren wie die Blöden.
Weiter geht es zum Mittagsstop nach Sheridan. Auf dem Weg begegnen wir immer wieder kilometerlangen Kohlezügen, teilweise mit mehreren Lokomotiven nicht nur an der Zugspitze, sondern auch am Ende bespannt. Die Gegend ist fest in der Hand der BNSF, welche die im Tagebau gewonnene Kohle zu den Kraftwerken bringt. Und auch wenn der Merger von Burlington Northern und der Atchison, Topeka & Santa Fe schon eine Weile her ist sind immer noch zahlreiche Loks im alten, grünen BN-Lack oder im Warbonnet-Schema der AT&SF unterwegs.
Nach dem Mittagsstop am Wal-Mart in Sheridan wird die Gegend langsam hügeliger. Wal-Mart in Deutschland ist ja vor allem schäbig und dreckig, in den USA ist davon nichts zu sehen. Riesig ist der Markt. Eigentlich verwunderlich, das es am Eingang keinen StadtMarktplan zu mitnehmen gibt.
Über die Big Horn Mountains, einem Ausläufer der Rockies, die sich ja vom Norden nach Süden durch ganz Nordamerika zieht, geht es vorbei an den Shell Falls, wo sich der Shell Creek fast 40 Meter in die Tiefe stürzt, nach Cody.
Dort steht zunächst ein Besuch des Buffalo Bill Historical Centers an, das fünf Museen beheimatet, neben dem Buffalo-Bill-Musuem, welches dem Leben des Gründervaters, der bürgerlich William Frederick Cody hieß und mit seiner Wild West Show sich selbst und den Westen weltberühmt gemacht hat, gewidmet ist, gibt es auch noch ein Waffen-, Kunst-, Indianer- und ganz neu ein Naturkundemuseum.
Bevor wir uns zur Nachtruhe in kleinen Blockhäusern betten geht es ab zum Rodeo. Wenn man schon einmal im Westen ist, muss man das auf jeden Fall auch gesehen haben und nach Aussage von Mark zählt das Cody Stampede Rodeo zu einem der Besten überhaupt. Zwei Stunden gibt es volles Programm, wilde Pferde und Büffel werden geritten (oder zumindest der Versuch unternommen), Kälber gefesselt und mit den Clowns für Kurzweil zwischen den Acts gesorgt. Das ganze ist typisch amerikanisch, mit Hotdogs, Bier, das diesen Namen nicht verdient und Nationalhymne. Und es ist, wie jede andere Sportart in den Staaten auch, vor allem ein Business. Die Verletzung eines Bullriders kurz vor Schluß sorgte für eine kurze Unterbrechung, danach ging es weiter, als wäre nichts gewesen, „The Show must go on!” und beim Wegfahren vom Rodeoplatz kam uns auch schon der örtliche Krankenwagen heulend entgegen.
Natürlich hatte der ein oder andere Mitreisende, manche sind echt komisch, prompt wieder was zu nörgeln. Und wenn es nur die Dauer von zwei Stunden war. Mackern ist eben auch eine deutsche Eigenschaft.