USA 2006

Montag, 31. Juli 2006

Alle paar Jahre steht er an, der große Urlaub. Und dieses Mal hatte ich erstmals meine Canon EOS 350D und mein Moleskine dabei.

Das Ergebnis dieser Kombination digitalter und analoger Gadgets seht ihr hier. Ein Vlog (also ein Vacation Log) über 6561 Kilometer mit dem Bus quer durch den Westen der USA, in vierzehn Tagen durch neun Bundesstaaten, acht Nationalparks, von 3713 Höhenmetern bis auf 54 Meter unter Null, von den Rocky Mountains bis an den Pazifik.

Nach einer ersten Sichtung der Bilder fällt auf: Rodeo und Old Faithfull sind absolute Filmtöter. Respektive Speicherplatzfresser. Aber zumindest habe ich jetzt ein Theme gefunden, mit dem ich zufrieden bin und damit kann es hier in Kürze losgehen…

Beiträge:
1. Tag: Anreise und Ankunft in Denver
2. Tag: Denver & die Rockies
3. Tag: Tote Präsidenten
4. Tag: Go West!
5. Tag: Schwefel & gelbe Steine

5. Tag: Schwefel & gelbe Steine

Dienstag, 18. Juli 2006

Auf dem Highway 14, den Theodore Roosevelt (der Mann, der dem Teddy seinen Namen gab), als die schönste Straße Amerikas bezeichnet hat, geht es Richtung Yellowstone.
Der älteste Nationalpark der Welt verdankt seinen Namen dem durch die Schwefelausdünstungen der zahllosen Geysire und Heißwasserquellen gelblich verfärbten Felsen im Grand Canyon of the Yellowstone.
In Yellowstone gibt es mehr Geysire als irgendwo sonst auf der Welt. Island und Neuseeland eingeschlossen. Bevor es aber an die Erkundung des Parks geht heißt es warten. Das 20jährige Straßenbauprojekt ist noch im Gang, nähert sich aber seinem Ende. Derzeit ist die Straße am Osteingang, über die wir in den Park kommen, Baustelle und daher nur einspurig befahrbar. Die „Ampel” ist typisch amerikanisch und mit dem Pilot Car, das der geduldig wartenden Schlange schließlich vorneweg fährt, kommt etwas Formel-1-Feeling auf.

Den ersten Fotostop legen wir am Lake Yellowstone, dem großen, an eine Hand mit drei Fingern erinnernden See in der Mitte des Parks, ein.
Eine kleine Dampffontäne gibt schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Sowohl optisch als auch vom Geruch her.

Weiter geht es zu den ersten Mud Volcanos und zum Drachenmaul, aus dem mit entsprechender Geräuschuntermalung heftigst Rauch dringt.
Read the rest of this entry »

4. Tag: Go West!

Montag, 17. Juli 2006

Wir verlassen mit Lead unseren östlichsten Übernachtungsstop auf dieser Reise. Ab jetzt geht es (fast) nur noch nach Westen. Das Tagesziel heißt Cody, die vom Wildwesthelden Buffalo Bill gegründete Stadt im Nordwesten Wyomings.

Wir lassen also die Black Hills hinter uns und begeben uns auf die fast 600 Kilometer lange Reise gen Westen.
Fast wie auf Knopfdruck ändert sich auch die Landschaft wieder, als das „Welcome to Wyoming”-Schild an uns vorbeihuscht, die mittelgebrigsähnliche Landschaft der Black Hills muss der schon bekannten Prärie weichen.
Auf dem Weg zum ersten Stop in Gillette (no, that’s not where my razorblades are from!) sieht man aber auch immer wieder Öhlbohrtürme, sei es in fertigem Zustand oder eben im Bau.
Die Antwort der US-Regierung auf die knapper werdenden Ölreserven und die damit steigenden Energiepreise ist nämlich nicht „Sparen, sparen, sparen”, sondern, den Bau neuer Löförderanlagen zu forcieren – natürlich im eigenen Land, um sich nicht (noch mehr) in die Abhängigkeit anderer Länder zu begeben. Und da an der Küste natürlich niemand die Plattformen vor der Nase haben will, wird Wyoming so langsam zum neuen Texas. Die Bevölkerung scheint aber gedanklich schon etwas weiter und dem Spargedanken zuträglicher zu sein.
Da der Bus erst seine vierte Tour fährt und daher noch etwas durstig ist, machen wir in Gillette zum ersten Mal an einem Truck Stop Halt, auch wenn sich die Truckerin aus North Dakota wundert, das wir an seinem so kleinen Truck Stop fotografieren wie die Blöden.

Weiter geht es zum Mittagsstop nach Sheridan. Auf dem Weg begegnen wir immer wieder kilometerlangen Kohlezügen, teilweise mit mehreren Lokomotiven nicht nur an der Zugspitze, sondern auch am Ende bespannt. Die Gegend ist fest in der Hand der BNSF, welche die im Tagebau gewonnene Kohle zu den Kraftwerken bringt. Und auch wenn der Merger von Burlington Northern und der Atchison, Topeka & Santa Fe schon eine Weile her ist sind immer noch zahlreiche Loks im alten, grünen BN-Lack oder im Warbonnet-Schema der AT&SF unterwegs.

Nach dem Mittagsstop am Wal-Mart in Sheridan wird die Gegend langsam hügeliger. Wal-Mart in Deutschland ist ja vor allem schäbig und dreckig, in den USA ist davon nichts zu sehen. Riesig ist der Markt. Eigentlich verwunderlich, das es am Eingang keinen StadtMarktplan zu mitnehmen gibt.

Über die Big Horn Mountains, einem Ausläufer der Rockies, die sich ja vom Norden nach Süden durch ganz Nordamerika zieht, geht es vorbei an den Shell Falls, wo sich der Shell Creek fast 40 Meter in die Tiefe stürzt, nach Cody.
Dort steht zunächst ein Besuch des Buffalo Bill Historical Centers an, das fünf Museen beheimatet, neben dem Buffalo-Bill-Musuem, welches dem Leben des Gründervaters, der bürgerlich William Frederick Cody hieß und mit seiner Wild West Show sich selbst und den Westen weltberühmt gemacht hat, gewidmet ist, gibt es auch noch ein Waffen-, Kunst-, Indianer- und ganz neu ein Naturkundemuseum.

Bevor wir uns zur Nachtruhe in kleinen Blockhäusern betten geht es ab zum Rodeo. Wenn man schon einmal im Westen ist, muss man das auf jeden Fall auch gesehen haben und nach Aussage von Mark zählt das Cody Stampede Rodeo zu einem der Besten überhaupt. Zwei Stunden gibt es volles Programm, wilde Pferde und Büffel werden geritten (oder zumindest der Versuch unternommen), Kälber gefesselt und mit den Clowns für Kurzweil zwischen den Acts gesorgt. Das ganze ist typisch amerikanisch, mit Hotdogs, Bier, das diesen Namen nicht verdient und Nationalhymne. Und es ist, wie jede andere Sportart in den Staaten auch, vor allem ein Business. Die Verletzung eines Bullriders kurz vor Schluß sorgte für eine kurze Unterbrechung, danach ging es weiter, als wäre nichts gewesen, „The Show must go on!” und beim Wegfahren vom Rodeoplatz kam uns auch schon der örtliche Krankenwagen heulend entgegen.
Natürlich hatte der ein oder andere Mitreisende, manche sind echt komisch, prompt wieder was zu nörgeln. Und wenn es nur die Dauer von zwei Stunden war. Mackern ist eben auch eine deutsche Eigenschaft.

3. Tag: Tote Präsidenten

Sonntag, 16. Juli 2006

Früh geht es los in Cheyenne, von den vielen Cowboys und Cowgirls, die am Vorabend im Hotel noch die Eröffnung der „Frontier Days” gefeiert haben, ist nichts mehr zu sehen.
Dafür gibt es umsonst Frühstück. Nicht für alle, man ist etwas verplant im Hotel, aber unter anderem für uns.
Die Tatsache, das es sich um ein Continental Breakfeast handelt und es daher weder Toast noch Ei oder Speck gibt, führt gleich wieder zu lautstarken Unmutsäußerungen bei einigen Mitreisenden. Unmöglich, diese Deutschen!. Sollen sie doch für $10 im Nachbarzimmer American Breakfeast essen, wenn ihnen die kostenlose Variante nicht passt. Aber der Geiz siegt dann doch.
Das erste Tagesziel ist Fort Laramie, dem Dreh und Angelpunkt für die Besiedlung des Westens mit sehr wechselvoller, teils friedlicher, teils kriegerischer Geschichte.
Nachdem zum Ende der militärischen Funktion zahlreiche Gebäude abgetragen wurden, weil man das Baumaterial in der sehr baumlosen Prärie dringend anderweitig gebrauchen konnte, sind heute zahlreiche Gebäude nach Originalplänen wieder aufgebaut. Die Überreste der Original erhaltenen Gebäude werden ebenfalls in Schuß gehalten und vielerorts sind sehr aufwendig die Zimmer restauriert und eingerichtet, um dem Besucher einen Eindruck vom Leben auf Fort Laramie zu vermitteln. Darüber hinaus hat die Erhaltung des Forts natürlich auch geschichtliche Gründe, um zum einen die Bedeutung von Fort Laramie für die Ausdehnung gen Westen auch für nachfolgende Generationen zu erhalten, zum anderen aber auch, um als Mahnmal in Bezug auf die Fehler der Vergangenheit gerade im Umgang mit den Indianern zu dienen. Von daher ist George W. Bush vielleicht gar nicht so schlecht für Amerika. Man sollte ihn ausstopfen und ebenfalls als schlechtes Beispiel der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Read the rest of this entry »

2. Tag: Denver & die Rockies

Samstag, 15. Juli 2006

Um sieben Uhr heißt es aufstehen, schließlich sind wir hier, um was zu erleben und nicht im Urlaub.
Die Tourleitung hat wie schon auf unserer letzten Reise 2002 ATI, Mark ist der Reiseleiter, von dem wir gestern schon das Willkommenspaket bekommen haben.
Er ist gebürtiger Amerikaner, war aber ein paar Jahre in Deutschland und spricht die Sprache entsprechend gut. Allerdings läßt sich ein amerikanischer Akzent genauso schwierig verbergen wie ein fränkischer Dialekt. Und spätestens bei der, die und das gibt sich der Nicht-Muttersprachler zu erkennen. Wobei, wir sind uns ja selbst nicht einig bei unseren bestimmten Artikeln, schließlich will sich selbst der Duden nicht verbindlich festlegen, ob es jetzt das Blog oder eben doch der Blog heißt.

Im nagelneuen Setra S417 wird uns Bryan von Arrow Stage Lines die nächsten zwei Wochen durch Amerikas Westen kutschieren.
Nach einer kurzen Besichtigung der Regierungsgebäude des Staates Colorado und der Stadt Denver geht es raus aus der Stadt. Vorher muss aber noch die wichtige Frage geklärt werden, warum Denver auch „Mile High City” genannt wird. Und warum die Stufe des Capitols, die eben genau diese eine Meile über dem Meeresspiegel liegt, in jedem Reiseführer eine andere Zahl hat. Es ist halt wie immer, wenn man drei Professoren fragt, dann hat man am Ende vier Meinungen.
Auf der Colfax Avenue, der angeblich längsten Stadtstraße der USA, geht es Richtung Rockies. Wer weiß, wie dehnbar die Amerikaner den Begriff „City Limits” auslegen, der wundert sich aber nicht weiter, dass die Bebauung auf dieser Straße mit jeder Meile dünner und weniger stadtähnlich wird.
Read the rest of this entry »

1. Tag: Anreise und Ankunft in Denver

Freitag, 14. Juli 2006

Let’s go, Amiland wartet. Also erstmal zum Flughafen. Die Straßenbahnlinie 52 bringt uns zu Bahnhof, die S8 zum Flughafen. Hält an jeder Milchkanne, kostet aber dank „Zug zum Flug” nichts.
Am Frankfurter Flughafen ist die Hölle los. Kein Wunder, Hauptreisezeit. In Terminal 1, Halle A, kann man die Leute stapeln. Gut, dass wir in Halle B einchecken. Schlecht, dass die Beschilderung so mäßig ist und wir uns erstmal bis in Halle A durchgearbeitet haben. Also zurück, der Check-In ist schnell und problemlos, der Hickhack folgt im Anschluß. Mehrmals abgetastet und durchleuchtet ist dann doch endlich Flugsteig B25 erreicht.
Auf der Parkposition steht auch schon eine Boeing 747, aber von der United. Doch ein Star Alliance Flug, den die Lufthansa nicht selber fliegt? Nein, eine Stunde vor dem geplanten Take-Off um 13:50 wird die United-Maschine weggeschleppt und ein Lufthansa-Jet in Star Alliance-Lackierung und mit Fußball an der Nase nimmt die Position ein. Durch die Blockade verschiebt sich die Abflugszeit und nach dem Boarding hat der Kapitän noch eine Hiobsbotschaft: Eine Startbahn wurde wegen starker Nordwinde gesperrt, der daraus resultierende Stau auf den verbliebenen beiden wirk sich natürlich wenig positiv auf die Startzeit aus und so ist es 14:45, als die 747 letztmalig deutschen Boden berührt.
Read the rest of this entry »